Christlicher Garten, Berlin Marzahn, Marianne Mommsen und Gero Heck
Der geschriebene Garten
Gärten der Welt Berlin

Gärten sind zeichenhafte, vielfältig konnotierte Räume. Gärten sind lesbar - und demnach auch schreibbar. Mit diesem Beziehungsgefüge zwischen der semiotischen Tradition der Landschaftsarchitektur und der Rezeptionsleistung des Gartennutzers setzt sich der geschriebene Garten auseinander.
Ausgangspunkt dieser Überlegungen war die Planung eines 'Christlichen Gartens' im Kontext der 'Gärten der Welt', der auf den christlichen Kulturkreis als einer vielschichtigen Quelle des Gartenverständnisses Bezug nimmt. Im Konzept wird dieser Topos als eine von Sinnbildern durchdrungene Form aufgefasst, die aus dem Ordnungsprinzip des Kreuzgangs entwickelt wird. Dieses architektonische Motiv wird zu miteinander verschränkten Ebenen, einem Gehölzrahmen, einem orthogonalen Wegesystem und einem Wandelgang aus goldglänzenden Schriftzeichen aufgelöst.
Der Wandelgang schafft einen Raum der Sprache, der indifferent zwischen Innen und Außen, zwischen Licht und Schatten liegt. In seiner Konstruktion sind Schriftzeichen das tragende Element. Die Texte folgen einer inhaltlichen und zeitlichen Ordnung und umreißen das Spektrum von der Schöpfung bis zum Tod und vom Alten Testament bis in die Jetztzeit.
Der Wandelgang fasst einen Gartenhof, dessen Kompartimente mit strukturgebenden immergrünen Gehölzstreifen und weißblühenden Ziergehölzen, Stauden und Einjährigen bepflanzt sind. Der Schnittpunkt der Wegeachsen wird durch einen Wasserstein betont.


Gutachterverfahren, 2007
1. Preis
Bauherr: Land Berlin/ Grün Berlin GmbH
Planung: Leistungsphase 2-9
Tragwerksplanung: schlaich bergermann und partner
Typografie: xplicit
Theologische Beratung: Dr. Th. Brose, J. Israel
Fertigstellung: 2011
Größe: 4.500 qm
Fotos: Stefan Müller, Hanns Joosten
Video: Hanns Joosten