Tree Stands
Jardins de Métis 2010, Canada

Das Paradies ist ein Sehnsuchtsort, der sich aus seinem Anderssein konstituiert. Es bezieht seine Wirkung aus der räumlichen oder zeitlichen Distanz zur Realität und tritt daher in der individuellen Gegenwart nur als Zitat auf. Als solches bestimmen Paradiesvorstellungen den landschaftlichen Blick, für den mit landschaftsarchitektonischen Mitteln eine Infrastruktur geschaffen werden kann.
Der Gedanke an das Paradies ist nicht möglich ohne das Bewusstsein des Sündenfalls. Die mitteleuropäische Kulturlandschaft verfügt über ein allgegenwärtiges Ausstattungselement, in dem der Verlust Edens und Sehnsuchtsmotive exemplarisch angelegt ist: den Hochsitz. Transferiert in den landschaftlichen Kontext des Saint Lawrence River verkörpern Leitersitze in ihrer kulturellen Aufladung das Martialische der Zivilisation, die Einbindung des Menschen in das ökologische Gleichgewicht und die individuelle Verheißung von Rekonvaleszenz im Angesicht der 'Natur'. Als bauliche Elemente verleiten sie zur Einsamkeit und sind als 'kultivierte' Relikte kindlicher Konstruktionslust lesbar. Aus einer gebietseigenen Materialität heraus schafft das Konzept eine Infrastruktur, die Perspektivwechsel ermöglicht und das Paradies denkbar werden lässt.

Rope Ladders
Jardins de Métis 2011, Canada

Der 'geheime Garten' ist widersprüchlich. Er steht für das Bedürfnis nach einem Rückzugsort. Über ihn zu verfügen, scheint äußerst erstrebenswert zu sein. Er ist das Ziel von Träumen, Reisen und Entwürfen. Jedoch ist die Sehnsucht nach diesem Ort an das Gefühl seines Verlusts gebunden. Die Suche nach ihm belegt die Distanz zwischen persönlichem Ideal und Lebenswirklichkeit.
Der 'geheime Garten' ist fragil. Er besteht nur, solange wir ihn nicht betreten. Die materielle Umsetzung unserer Projektionen hält der Gewalt unseres Sehnens nicht stand. Die Vorstellung von diesem Ort allerdings ist kostbar. Die Vorstellung kann beglücken und beruhigen - da sie auf etwas in uns verweist, das wir nicht verlieren möchten.
Im Wald von Métis führen Strickleitern hoch hinauf in die Kronen der Bäume. Das Ende der Leitern ist nicht einsehbar, es entzieht sich dem nachforschenden Blick. Die Hochsitze und auf der Erde stehenden Leitern bilden den Ausgang. Sie können entrücken, doch bleiben sie noch im Irdischen verwurzelt. Die Strickleitern führen die Gedanken weiter. Sie erreichen das Irdische nicht einmal. Dort, wo sie hinführen, liegt das Ahnbare. Dieses Ahnbare ist der 'geheime Garten'. Seine Schönheit besteht darin, dass er nie fertig wird - bis wir aufhören, ihn zu erdenken.

Bauherr: Festival international de Jardins de Métis, Canada